Instrumentenkunde
Steirische Harmonika

Die Entwicklung der steirischen Harmonika

Die Entwicklung der Harmonikainstrumente in ihrer Vielfalt und kulturspezifischen Besonderheiten, ist eine relativ kurzzeitige, die nicht ganz zwei Jahrhunderte andauerte.

Hingegen die Geschichte des Prinzips der frei vibrierenden Stimmzungen, als grundlegendes Prinzip aller Harmonikainstrumente stammt aus der Zeit um 2700 v. Chr. Die tibetanische-birmanesische Durchschlag- oder Freizunge, die später von den Chinesen übernommen wurde, gilt als Urform dieser Instrumentenfamilie.

Wie die frei schwebende durchschlagende Stimmzunge nach Europa kam, kann nur vermutet werden. Sowohl die Verbreitung durch portugiesische Seefahrer oder Marco Polo und die Annahme eigenständiger europäischer Entwicklungen werden postuliert.

Entgegen der noch länger ausführbaren Vorgeschichte ist festzustellen, dass die Entwicklungen der Arten der diatonischen Harmonika und des Akkordeons vergleichsweise zu den meisten klassischen Instrumenten als relativ jung anzusehen sind.

Friedrich Buschmann (1775-1832) aus Friedrichsroda/Thüringen befestigte mehrere freischwebende Durchschlagzungen aus Metall auf ein Holz, so dass er diese mit dem Mund anblasen konnte (1821). Eigentlich wollte er eine Stimmhilfe entwickeln, schuf hingegen die erste uns bekannte Mundharmonika. Das neue Instrument entwickelte er 1822 weiter. Zu der ersten Patentanmeldung eines Handzungeninstruments kam es aber erst durch Zyril Demian, einem Wiener Orgel- und Klavierbauer. Er bezeichnete seine Weiterentwicklung als „Accordion“. Dieses war wechseltönig und diatonisch mit dem Tonumfang von c` bis e``. dieses Instrument hatte 5 Tasten.

Betrachten wir nun speziell den Entwicklungszweig „Steirische Harmonika“. Dieser Harmonikatyp ist wechseltönig, diatonisch und wird hauptsächlich in der Volksmusik und in der volkstümlichen Musik verwendet. Instrumente in 3-, 4- und 5-reihiger Bauweise diskantseitig sind üblich. Wobei jede Diskantreihe einer diatonischen Tonreihe entspricht.  Ein Gleichton, der auf Zug und Druck gleichtönig erklingt, findet sich in jeder außer in der 1. Reihe. Grundsätzlich entsprechen jeder Reihe diskantseitig ein Bassknopf und ein wechseltöniger Begleitakkordknopf in der äußeren Bassreihe. Basstasten der inneren Reihe werden gegenwärtig meist mit so genannten Übergangsbässen, mit Terzbässen, belegt. Gelegentlich werden Mollbässe, die auf Zug erklingen, auf der inneren Bassreihe, zum Spiel spezieller Harmonikaliteratur gewünscht.

Weitgehend einheitlich hat sich die so genannte Griffschrift als sinnvolle Notation in der Spielliteratur für die steirische Harmonika durchgesetzt. Max Rosenzopf, ein Musiklehrer aus Bärnbach/Steiermark hat ein altes für die zweireihige Harmonika bestehendes Notationssystem für den Gebrauch bei der drei- und vierreihigen Harmonika adaptiert und dieses System als „Griffschrift“ bezeichnet. Dieses System wird überwiegend von verschiedensten Autoren und Musikschulen mit geringfügigen individuellen Veränderungen verwendet. Neben der Griffschrift werden auch Spielanleitungen nach herkömmlichen Noten verwendet.

Die steirische Harmonika erfreut sich gegenwärtig zunehmender Beliebtheit. Die Notation in Griffschrift und verschiedene Musikpädagogen haben hier grundlegende ergänzende Arbeit geleistet. Nicht nur auf die Volksmusik und in der volkstümlichen Musik scheint sich der Einsatz dieses Instrumentes zu beschränken. Vereinzelt versucht man auch Bereiche wie die klassische Musik und Jazz für die steirische Harmonika zu erobern.

Da ich nun fast drei Jahrzehnte als Akkordeon- und Harmoniklehrer tätig bin, freut es mich durch ein spezielles Spielsystem (z.B.:Fünffingertechnick) sowie Bearbeitungen und Eigenkompositionen maßgeblich am Erfolg und an der Weiterentwicklung der Steirischen Harmonika beteiligt zu sein.

von Hubert Klausner