Die Geschichte der Mundharmonika

Die Mundharmonika wurde nach neuesten Erkenntnissen um 1825 in Wien erfunden und ist quasi der Vorgänger des Akkordeons. Schon die alten Chinesen haben mit schwingenden Zungen in Bambusrohren experimentiert, woraus das bis heute in China gebräuchliche Sheng (Mundorgel) entstand.

Die erste Mundharmonikafabrik wurde 1834 eröffnet und stand in der Mondscheingasse 11 in Wien. Der Inhaber war ein gewisser Willhelm Thie. Die Thie Harmonikas waren bis 1922 die besten der Welt und gelten bei Sammlern als unbezahlbar. Besonders die Elfenbeinharmonikas sind sehr wertvoll. 1829 entwickelte sich neben der Harmonikastadt Wien außerdem noch der Harmonikabau im Vogtland/Sachsen. Bis zum Ende des 2. Weltkriegs, als ein Nachfahre Thies schon längst wegen Interesselosigkeit das Fabrikinventar seines Vaters an die Firma Köstler (Graslitz/Tschechien) verkaufte, gab es im Vogtland über 200 verschiedene Mund– und Ziehharmonika-Firmen mit bis zu 500 Angestellten. Mundharmonikas waren in den 20er und 30er Jahren Deutschlands Hauptexportartikel (60 000 000 pro Jahr).

Die Firma Hohner/Trossingen, die wohl am Bekanntesten ist, wurde erst relativ spät gegründet – 1857, zu einem Zeitpunkt als längst in Wien und im Vogtland wie wild produziert wurde. Hohner schickte anfangs Betriebsspione nach Wien and auch zur nahegelegenen Konkurenz nach Trossingen und Knittlingen. Durch die DDR ist vom Harmonikabau im Vogtland nicht mehr viel übrig – nur die Firma Seydel für Mundharmonikas und die Akkordeonfirma Weltmeister. Trotzdem sind die Klingenthaler Firmen qualitativ am Hochwertigsten, da manufakturiell und mit viel Liebe zum Datail erzeugt wird.

Nach dem 2.Weltkrieg, wo die Mundharmonika noch einmal einen großen Aufschwung als Propagandamittel und Soldatenfreund erlebte, wurde es still rund um dieses so handliche Instrument. Die früher in Österreich so beliebten Mundharmonikatrios und –Orchester kann  man heute an einer Hand abzählen, aber auch die Spieler der Chromatischen oder der Volksmusik sind sehr rar geworden. 80% der heute verkauften Instrumente sind so genannte Blues Harps – bekannt durch Folk und Country Sänger oder Blues Bands. Umso wichtiger ist es, dass wir uns wieder an die Vielfalt und den Kultstatus erinnern den dieses Instrument einst genoss.

(Isabella Krapf)